Stressfuttern

Wenn ich richtig Stress habe, nehme ich ab. Dann ist mein Magen zu. Aber richtig Stress ist so was wie Trennung, Tod oder vor zwei Wochen, wo der Wagen schlapp machte, als ich von Aachen nach Berlin fahren wollte und am nächsten Tag eine Lesung hatte …

Der ganz normale Arbeitsstress mit Deadlines, sperrigen Texten, die nur auf der Welt sind, um  mich zu quälen, Nachtschichten und Kunden mit einem halben Dutzend Extrawünschen bewirken leider genau das Gegenteil: Ich sitze am Computer, quäle mich durch einen Text, der in spätestens 36 Stunden fertig sein muss … und gehe erst mal in die Küche und schmier mir zwei Stullen. Ich sitze wieder am Computer, vernichte die Stullen, hänge wieder im Text … und gehe in die Küche und mach mir einen Kaffee. Da Kaffee allein auf Dauer auch nicht glücklich macht, nehme ich vorsorglich zwei Scheiben Rosinenbrot mit – immerhin halbfett – Margarine mit ins Arbeitszimmer. Nach dem Abendessen muss ich weiterarbeiten. Dank W-Lan kann ich das – es ist inzwischen kurz vor Mitternacht – mit Laptop im Bett. Ich hänge im Text fest – um die Uhrzeit nicht erstaunlich – und … ja, genau … gehe in die Küche und hole mir die Schüssel mit dem Grießbrei und den Kirschen, die Marion für den nächsten Tag gekocht hat. Der Text ist immer noch nicht fertig, aber wenigstens habe ich erfolgreich den Grießbrei vernichtet.

Jetzt bin ich schon so alt – und dick – geworden und habe immer noch keine Lösung gegen Futtern bei Stress. Na ja, wenn ich eine Strategie hätte die hilft, hätte ich wahrscheinlich keinen Stress mehr. Ich würde ein Buch darüber schreiben und mich dann entspannt zurücklehnen und von den Tantiemen leben …

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