Archive for Oktober, 2009

Schreibzeit und Tönnchentage

Dienstag, Oktober 27th, 2009

Derzeit bin ich in Dändorf auf dem Darß zum Schreiben. Aber der Aufenthalt hier erinnert mich verschärft an die Reisen ans Meer mit der „Inneren Mission“ in meiner Jugend. Zu Beginn wurde gewogen (Samstagmorgen hatte ich 105,6 🙁 ), zwischendrin kräftig gefuttert und bei der Abreise hatte ich das Kurziel erreicht: mal eben zwei bis drei Kilo mehr auf den Rippen. Ja, schon als Kind habe ich die mir dargebotene Nahrung optimal genutzt.

Wir sind zu viert unterwegs – alles Mörderische Schwestern aus Berlin, die an ihren Romanen und Kurzgeschichten arbeiten wollen. Heidi hat eingekauft, nun sind wir auch für den Fall ausreichend versorgt, dass es einen plötzlichen Kälteeinbruch gibt und wir für drei Wochen oder länger eingeschneit werden. Jeden Abend kocht eine, aus irgendwelchen Gründen jeweils derart viel, dass es eigentlich auch noch für den darauffolgenden Abend reicht – aber da gibt’s ja ein neues Gericht …

Immerhin laufen wir zwischendurch durch die Gegend und schauen uns selbige an. Heute steht das Meerwasserschwimmbad in Graal-Müritz auf dem Plan. Auch das bedeutet erhöhten Kalorienverlust. Und da Swenja für den Abend ein Essen, das hauptsächlich aus Gemüsezwiebeln besteht, angedroht hat, könnte heute die Kalorienbilanz ausnahmsweise zu Ungunsten meines Hüftspecks ausfallen. (Gut, dass es es die Gemüsezwiebeln erst heute Abend gibt, sonst könnten wir heute Nachmittag vermutlich den Betrieb des Whirlpools übernehmen.)

Zum Schreiben kommen wir allerdings nicht ganz so viel. Aber heute gehen wir es schlau an: erst schreiben, dann schwimmen, schließlich schnabulieren (ja, ich liebe Stabreime).

Der Evolutionstrend der Zukunft: klein und dick!

Mittwoch, Oktober 21st, 2009

Na also, wir sind unserer evolutionären Zukunft nur schon ein paar Kilos voraus:-): Die Frau der Zukunft: klein und dick. Die menschliche Evolution begünstigt anscheinend einen bestimmten Körperbau. (via @CTrossmann)

„50 einfache Dinge, die Sie über Ernährung wissen sollten“ – und die ich fast alle schon kenne

Dienstag, Oktober 20th, 2009

Das zweite Buch, das ich mir vorgenommen habe, klingt wie das erste, bietet aber deutlich mehr: Cem Ekmekcioglu „50 einfache Dinge, die Sie über Ernährung wissen sollten“. Der Autor schreibt klar und verständlich und – das beeindruckt mich als Wissenschaftlerin besonders – legt die wissenschaftlichen Grundsätze offen, nach denen Ernährungsrichtlinien entwickelt werden.

Von Vollkorn und Leerkorn 

Er empfiehlt nicht einfach: „Esst Vollkornprodukte“, sondern erklärt warum und wie sich Vollkorn von „Leerkorn“ unterscheidet. Endlich weiß ich, was die Typenbezeichnung auf dem Mehl bedeutet. Schon deshalb hat es sich gelohnt, das Buch zu lesen. Ein Grundsatz, den ich umsetzen könnte, könnte also lauten: Mehr Vollkorn statt Weißmehl. Mal sehen.

Ich und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung

Herr Ekmekcioglu propagiert „5 am Tag“, also fünf Portionen Obst und Gemüse täglich zu essen. Aber er arbeitet ohnehin vor allen Dingen die Empfehlungen der DGE ab, unterfüttert sie mit wissenschaftlichen Studienergebnissen und erklärt das „Kleingedruckte“. Das ist ganz informativ, aber bahnbrechende Neuigkeiten hat er nicht zu vermelden.
An dieser Stelle frage ich mich, was ich gegen die Empfehlungen der DGE habe. Sie sind klar, einsichtig – jedenfalls wenn Herr Ekmekcioglu sie erläutert – vermutlich nicht allzu schwer umzusetzen; aber sie sind auch unspektakulär, klingen ein bisschen nach artigem Mädchen, dass seinen Teller brav leeressen soll. Wahrscheinlich ist es der in den 60er Jahren unbewusst in mein Hirn gesickerte Widerspruchsgeist und das instinktive Misstrauen gegen alles, das nach deutscher Behörde klingt – die kleinen Bazillen der Rebellion, die in der Zeit durch die Luft flirrten und mich infizierten. Aber meine Assoziationen zur DGE ähneln denen zum Sozial-, Finanz- und Arbeitsamt fatal. Vernünftig und bieder muten die Empfehlungen an. Und wer will schon vernünftig und bieder sein. Nicht mal, wenn’s ums Essen geht.

Der Fluch der Leberwurst 

So, nun habe ich mir, angeregt durch die vielen intelligenten Dinge, die Herr Ekmekcioglu schreibt – vor allen Dingen sein Kapitel über den Apfel hat mich schwer beeindruckt –, zum Frühstück einen Apfel, eine Banane mit Honig und Magerjoghurt gemacht, allerdings nicht statt zweier Leberwursttoastbrote, sondern zusätzlich. Ich fürchte, ich muss noch weiter an meinen Ernährungsgewohnheiten arbeiten (aber die Leberwurst – grobe Gutsleberwurst – ist einfach zu lecker, außerdem will ich sie ja nicht verkommen lassen 🙂 )

Mathematik für Dicke 

Nun komme ich zum interessanten Teil des Buches: „Über den Zusammenhang zwischen Hunger, Sättigung und Übergewicht.“ Der Autor vermerkt sehr clever, dass eine positive Energiebilanz der Hauptgrund für Übergewicht sei, sprich: es werden mehr Kalorien aufgenommen als verbraucht. Er möchte nun auf die Faktoren eingehen, die Übergewicht begünstigen. Er nennt „wenig Kauen und das Herunterschlingen des Essens, Fernsehen, Fast-Food-Lokale, opulente Abendmahlzeiten, Lebensmittel mit einem hohen glykämischen Index sowie die süße Verlockung Schokolade.“ Abschließend verspricht er „einfache Tipps, die das Abnehmen erleichtern“. Wir – ich und meine Pfunde – sind gespannt, was er uns zu sagen hat, und fragen uns, ob die Tipps den Alltagstauglichkeitstest bestehen werden.

Allgemeinplätze statt Plätzchen 🙁 

Leider bleiben die Tipps sehr allgemein und sind nicht neu. Der Autor empfiehlt, sich eine Einkaufsliste zu schreiben und nicht hungrig einkaufen zu gehen, länger zu kauen und statt bei Heißhunger über die Schokolade herzufallen, sich abzulenken mit Musik hören, Freunde anrufen u. Ä. Der Rest des Buches ist ganz informativ, aber doch alles sehr theoretisch. Na ja, der Titel heißt ja auch „50 einfache Dinge, die Sie über Ernährung wissen sollten“ und nicht „die Sie über Ernährung ausprobieren sollten“.

Cem Ekmekcioglu: 50 einfache Dinge, die Sie über Ernährung wissen sollten; Piper 2008, ISBN-13: 978-3492262392; TB, 208 Seiten, 7,95 Euro 

Von schwarzen Löchern und anderen Katastrophen

Montag, Oktober 19th, 2009

Es wird nicht besser. Jetzt ist es der Umzug, nein drei Umzüge: Wir in eine gemeinsame Wohnung – aus zwei mach eins. Und dann noch ich und mein Arbeitsplatz in mein neues Büro. Und das alles im November. In der neuen Wohnung müssen wir selbst noch einiges tun: Böden verlegen (und vorher was halbwegs preiswertes finden – über Tipps bin ich dankbar), Einbauküche kaufen (und vorher diverse Angebote einholen und  Aufmaßtermin machen), mit Elektriker, Sanitärfachmann und Maler Termine aushandeln. Die Mietwohnung wird komplett saniert und es ist natürlich toll, wenn man Mitsprache hat über die zukünftige Lage von gefühlten 96 Steckdosen, die Farbe der Tapete und den Starkstromanschluss. Es führt aber auch dazu, dass ich mir vorkomme als hätte mir mitten in einem Bauprojekt jemand, der eigentlich dafür zuständig ist, den Chef-Bauhelm aufgesetzt, mir hinten ein Schild „Idiot“ drangeklebt und sich hämisch kichernd aus dem Schussfeld verzogen. Danke auch. Hinzukommen diverse Aufträge und Projekte, die alle, wirklich alle sehr dringend sind.  Und mein Fernstudium zur zertifizierten Schreibberaterin hat gestern angefangen und es gab gleich heftig Hausaufgaben für diese Woche. Und meine Tochter feiert diese Woche ihren 4. Geburtstag. (Was im Klartext heißt: Eine Horde Kinder wird meine Wohnung dreieinhalb Stunden spielend, lachend und tobend in ein Chaos verwandeln) …Fazit: Als Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs ist ein erfolgreicher Diätstart zur Zeit so wahrscheinlich wie ein erholsamer Sprung durch ein schwarzes Loch. Und Mrs. Sporty wippt auch schon ungeduldig mit dem Fuß und fragt mich, wo ich letzte Woche war…

„50 einfache Dinge, die Sie über Ihre Gesundheit wissen sollten“ – und am besten schnell wieder vergessen

Montag, Oktober 12th, 2009

Nun geht es los. Durch Literatur schlank, gesund und zufrieden. Draußen regnet es, deshalb setze ich mich an den Computer und leihe ebooks über den Voebb24 aus.  Sehr ergiebig ist die Ausbeute nicht. Volltextsuche mit dem Stichwort „Abnehmen“ beschert mir eine Handvoll Ernährungs- und Bewegungsratgeber, drei Handvoll Selbstmanagement- und Lifestyle-Bücher und so seltsame Werke wie „Goethe – Der Weg des Werther“ (aus der Reihe „Schülerhilfen“) oder „Leben und Arbeiten in Italien“. Schließlich lade ich mir insgesamt 6 Ernährungsratgeber und ganz nebenbei ein Computerbuch herunter (das fand ich unter dem Stichwort „Diät“).Gerade sehe ich mir den ersten der 6 Diät- und Ernährungsratgeber an: Hademar Bankhofer „50 einfache Dinge, die Sie über Ihre Gesundheit wissen sollten“. Hier hatte ich gehofft, fündig (nicht pfündig 🙂 ) zu werden. Dachte, ein paar der 50 einfachen Dinge könnte ich umsetzen, erst ein, zwei, später mehr.

So einfach ist es dann doch nicht

Allerdings hält der Titel nicht, was er verspricht: Das erste einfache Ding lässt sich auf eine tatsächlich einfache Formel bringen: Trinken Sie 1-2 Liter Mineralwasser oder Tee täglich. Das kann ich, finde ich nicht schwer. Mal abgesehen davon, dass mein Körper Flüssigkeitsmangel mit Kreislaufstörungen quittiert.
Was dann kommt, ist weder einfach noch unumstritten: „2 Essen Sie sich schön“ und „3 Beim Abnehmen: Hände weg von Pillen“. Neben zahlreichen Nahrungsmitteln, die die verschiedenen Körperregionen und –funktionen mit den notwendigen Vital- und sonstigen Stoffen versorgen – und die mich, wollte ich allen Empfehlungen folgen, zum pausenlosen Mampfen verdammen würden – werden so fragwürde Aussagen getroffen wie „Grundsätzlich gilt: Wer wenig isst, wirkt jünger und attraktiver.“

Nach 16 Uhr ist fasten angesagt

Aus den Grundsätzen leitet der Autor – unter Berufung auf andere Kapazitäten – solcherlei Tipps ab: „Wer abgestorbene Zellen rasch wieder regenerieren, jeden Tag jugendliche Energie tanken und lange attraktiv aussehen möchte, der sollte ab 16 Uhr absolut nichts mehr essen, nur noch trinken, am besten Johanniskrauttee.“ Mein (Arbeits-)Tag dauert häufig bis 19 oder 20 Uhr. Vor Mitternacht komme ich selten ins Bett. Dafür ist mein Magen vor 9 oder 10 Uhr morgens nicht in der Lage, feste Nahrung zu sich zu nehmen. Oft esse ich das erste Mal am späten Vormittag. Wie soll ich da ab 16:00 Uhr nichts mehr essen, nur noch trinken? Ich wäre binnen weniger Monate verhungert.

Diät oder nicht? Das ist hier keine Frage …

Auch die Ratschläge zur Gewichtsabnahme sind nicht mehr als Allgemeinplätze, die – wie ich und viele andere aus jahrzehntelanger Erfahrung wissen – nicht alltagstauglich sind. An die bahnbrechende Schlussfolgerung: „Also geht es darum, wie wir unser Übergewicht ohne Diät loswerden.“ schließen sich Ernährungsempfehlungen an, die zusammengenommen einer drastischen Diät entsprechen: „Lassen Sie allen Zucker weg – keine Süßigkeiten, kein Naschwerk, keine Desserts. Lassen Sie spezielles Fett weg – keine Butter, keine Margarine aufs Brot streichen, Fettränder beim Fleisch wegschneiden. Verzichten Sie auf Weißgebäck, verzichten Sie auf Alkohol – das hat beides viele Kalorien.“ Stattdessen rät der Autor zu einer Ernährung, die überwiegend aus Obst und Rohkost besteht. So solle man vor den Mahlzeiten zwei Äpfel oder eine halbe Honigmelone essen, dann sei nicht mehr so viel Platz für den Rest im Magen – ich bin nach einer halben Honigmelone ziemlich bedient, allerdings nur für kurze Zeit. Und was dann? Die andere Hälfte der Honigmelone?

Von 0 auf 100 – der tägliche Sport

Außerdem solle man täglich 25 Minuten Freizeitsport treiben – warum ausgerechnet 25 und nicht 20 oder 30 Minuten, verrät uns der Autor nicht. Aber das ist eigentlich auch unwichtig. Die wenigsten Menschen – und ich gehöre dazu – schaffen es per Beschluss von 0 Minuten wöchentlich auf 25 Minuten täglich Sport zu kommen. Die ultimativen Tipps gegen Hunger beschließen das Kapitel. Zum Beispiel öfter chinesisch essen gehen, aber dann mit Stäbchen essen, weil man da langsamer essen müsse und schneller satt werde (der Mann kennt meinen virtuosen Umgang mit Essstäbchen nicht). Oder unterschiedliche pflanzliche Hungerbremsen konsumieren wie Ananas, Matetee und Salbei (deren Wirkung allerdings bis heute umstritten und nicht nachgewiesen ist).

Kneif mich mal – ins Ohr 

Und falls das alles nichts hilft, gibt’s noch einen Crashkurs in Akupressur: Ohrpunkt Nr. 13 reduziert das Hungergefühl: „Suchen Sie mit dem Zeigefinger der linken Hand in der linken Ohrmuschel den kleinen Knorpel vor dem Gehörgang. Diesen Knorpel massieren Sie eine bis zwei Minuten lang intensiv mit dem Zeigefinger und mit dem Daumen. Machen Sie dann eine Pause und wiederholen Sie die Übung mehrmals.“ Wozu braucht man da noch eine mehrjährige Ausbildung in Naturheilverfahren?

Ich werde mich trotzdem durch den Rest des Buches ackern, vielleicht gibt’s ja doch noch den ein oder anderen brauchbaren Tipp. Denn schließlich ist die Grundlage aller Veränderung das Prinzip Hoffnung.

Hademar Bankhofer:  50 einfache Dinge, die Sie über Ihre Gesundheit wissen sollten; 2. Aufl., Piper 2008, ISBN-13: 978-3492262385; TB, 208 Seiten, 7,95 Euro

Ich und das Foto

Freitag, Oktober 9th, 2009

… von der letzten Lesung 🙁 Hier ist es … da bin ich (mit dem roten Pfeil über dem Kopf und dem Schweinchenkinn – heul)

Lesung Spukvilla und Anjas Drama

Die anderen auf dem Foto sind (v. l. n. r.): Martina Arnold, Tyrell van Boog, meine Wenigkeit Anja Feldhorst, Horst Bosetz(-ky), Heidi Ramlow und der Organisator Holger Wettingfeld.

Nachdem die Wahl eine gute Ausrede war, Obst&Sport sausen zu lassen und auch sonst nichts für Figur und Gesundheit zu tun, mailte mir meine Autorenkollegin Heidi Ramlow  Fotos von unseren letzten Lesung in der Spukvilla Tempelhof. Dort stellten wir zusammen mit Horst Bosetzky (kurz: -ky, die deutsche Krimilegende), Tyrell van Boog und meiner Kollegin Martina Arnold, die nebenbei auch die Sprecherin der Berliner Mörderischen Schwestern ist, die unlängst erschienene Anthologie „Berliner Morde“ vor. Der Abend war ein Erfolg, 80 interessierte ZuhörerInnen, Beifall, gute Geschichten, Katharina Micada an der Singenden Säge, zufriedene Veranstalter … aber dann sah ich das Foto.

Fazit: Schluss mit der Schlamperei. Ab heute wird wieder abgenommen. Als erstes besorg ich mir schlaue Bücher, die mir Tipps geben, wie ich Obst und Sport und vielleicht noch andere sinnvolle Diät-Dinge umsetze und durchhalte.

Stress macht dick.

Dienstag, Oktober 6th, 2009

Das ist einfach so. Möp. Ich komme nicht zum planvollen Einkaufen von vernünftigen, gesunden Lebensmitteln. Eigentlich komme ich gar nicht zum Einkaufen – und stöbere beim nächsten Hungerast im Kühlschrank nach essbaren Dingen, die noch ein vertretbares Mindesthaltbarkeitsdatum aufweisen. Leider haben die dabei entdeckten kulinarischen Abenteuer wenig mit diätischer Fit for Fun-Kost zu tun. Die Deadline rückt dramatisch näher. Stress breitet sich im Körper aus. „Endorphine! Endorphine!“ schreit es aus allen Zellen. Rettung naht: Eine Erste-Hilfe-Schokolade wandert langsam aus dem Schrank auf meinen Schreibtisch …und von da Stück für Stück in meinen Mund. Zarter Vollmilchschmelz zaubert kleine Glücksmomente, gibt Seelenfrieden, kurbelt die stotternde Kreativität wieder an. Kann denn Schokolade Sünde sein? Die Antwort hat die Waage parat. Ich ignoriere sie vorerst – bis nach der Deadline.