„50 einfache Dinge, die Sie über Ihre Gesundheit wissen sollten“ – und am besten schnell wieder vergessen

Nun geht es los. Durch Literatur schlank, gesund und zufrieden. Draußen regnet es, deshalb setze ich mich an den Computer und leihe ebooks über den Voebb24 aus.  Sehr ergiebig ist die Ausbeute nicht. Volltextsuche mit dem Stichwort „Abnehmen“ beschert mir eine Handvoll Ernährungs- und Bewegungsratgeber, drei Handvoll Selbstmanagement- und Lifestyle-Bücher und so seltsame Werke wie „Goethe – Der Weg des Werther“ (aus der Reihe „Schülerhilfen“) oder „Leben und Arbeiten in Italien“. Schließlich lade ich mir insgesamt 6 Ernährungsratgeber und ganz nebenbei ein Computerbuch herunter (das fand ich unter dem Stichwort „Diät“).Gerade sehe ich mir den ersten der 6 Diät- und Ernährungsratgeber an: Hademar Bankhofer „50 einfache Dinge, die Sie über Ihre Gesundheit wissen sollten“. Hier hatte ich gehofft, fündig (nicht pfündig 🙂 ) zu werden. Dachte, ein paar der 50 einfachen Dinge könnte ich umsetzen, erst ein, zwei, später mehr.

So einfach ist es dann doch nicht

Allerdings hält der Titel nicht, was er verspricht: Das erste einfache Ding lässt sich auf eine tatsächlich einfache Formel bringen: Trinken Sie 1-2 Liter Mineralwasser oder Tee täglich. Das kann ich, finde ich nicht schwer. Mal abgesehen davon, dass mein Körper Flüssigkeitsmangel mit Kreislaufstörungen quittiert.
Was dann kommt, ist weder einfach noch unumstritten: „2 Essen Sie sich schön“ und „3 Beim Abnehmen: Hände weg von Pillen“. Neben zahlreichen Nahrungsmitteln, die die verschiedenen Körperregionen und –funktionen mit den notwendigen Vital- und sonstigen Stoffen versorgen – und die mich, wollte ich allen Empfehlungen folgen, zum pausenlosen Mampfen verdammen würden – werden so fragwürde Aussagen getroffen wie „Grundsätzlich gilt: Wer wenig isst, wirkt jünger und attraktiver.“

Nach 16 Uhr ist fasten angesagt

Aus den Grundsätzen leitet der Autor – unter Berufung auf andere Kapazitäten – solcherlei Tipps ab: „Wer abgestorbene Zellen rasch wieder regenerieren, jeden Tag jugendliche Energie tanken und lange attraktiv aussehen möchte, der sollte ab 16 Uhr absolut nichts mehr essen, nur noch trinken, am besten Johanniskrauttee.“ Mein (Arbeits-)Tag dauert häufig bis 19 oder 20 Uhr. Vor Mitternacht komme ich selten ins Bett. Dafür ist mein Magen vor 9 oder 10 Uhr morgens nicht in der Lage, feste Nahrung zu sich zu nehmen. Oft esse ich das erste Mal am späten Vormittag. Wie soll ich da ab 16:00 Uhr nichts mehr essen, nur noch trinken? Ich wäre binnen weniger Monate verhungert.

Diät oder nicht? Das ist hier keine Frage …

Auch die Ratschläge zur Gewichtsabnahme sind nicht mehr als Allgemeinplätze, die – wie ich und viele andere aus jahrzehntelanger Erfahrung wissen – nicht alltagstauglich sind. An die bahnbrechende Schlussfolgerung: „Also geht es darum, wie wir unser Übergewicht ohne Diät loswerden.“ schließen sich Ernährungsempfehlungen an, die zusammengenommen einer drastischen Diät entsprechen: „Lassen Sie allen Zucker weg – keine Süßigkeiten, kein Naschwerk, keine Desserts. Lassen Sie spezielles Fett weg – keine Butter, keine Margarine aufs Brot streichen, Fettränder beim Fleisch wegschneiden. Verzichten Sie auf Weißgebäck, verzichten Sie auf Alkohol – das hat beides viele Kalorien.“ Stattdessen rät der Autor zu einer Ernährung, die überwiegend aus Obst und Rohkost besteht. So solle man vor den Mahlzeiten zwei Äpfel oder eine halbe Honigmelone essen, dann sei nicht mehr so viel Platz für den Rest im Magen – ich bin nach einer halben Honigmelone ziemlich bedient, allerdings nur für kurze Zeit. Und was dann? Die andere Hälfte der Honigmelone?

Von 0 auf 100 – der tägliche Sport

Außerdem solle man täglich 25 Minuten Freizeitsport treiben – warum ausgerechnet 25 und nicht 20 oder 30 Minuten, verrät uns der Autor nicht. Aber das ist eigentlich auch unwichtig. Die wenigsten Menschen – und ich gehöre dazu – schaffen es per Beschluss von 0 Minuten wöchentlich auf 25 Minuten täglich Sport zu kommen. Die ultimativen Tipps gegen Hunger beschließen das Kapitel. Zum Beispiel öfter chinesisch essen gehen, aber dann mit Stäbchen essen, weil man da langsamer essen müsse und schneller satt werde (der Mann kennt meinen virtuosen Umgang mit Essstäbchen nicht). Oder unterschiedliche pflanzliche Hungerbremsen konsumieren wie Ananas, Matetee und Salbei (deren Wirkung allerdings bis heute umstritten und nicht nachgewiesen ist).

Kneif mich mal – ins Ohr 

Und falls das alles nichts hilft, gibt’s noch einen Crashkurs in Akupressur: Ohrpunkt Nr. 13 reduziert das Hungergefühl: „Suchen Sie mit dem Zeigefinger der linken Hand in der linken Ohrmuschel den kleinen Knorpel vor dem Gehörgang. Diesen Knorpel massieren Sie eine bis zwei Minuten lang intensiv mit dem Zeigefinger und mit dem Daumen. Machen Sie dann eine Pause und wiederholen Sie die Übung mehrmals.“ Wozu braucht man da noch eine mehrjährige Ausbildung in Naturheilverfahren?

Ich werde mich trotzdem durch den Rest des Buches ackern, vielleicht gibt’s ja doch noch den ein oder anderen brauchbaren Tipp. Denn schließlich ist die Grundlage aller Veränderung das Prinzip Hoffnung.

Hademar Bankhofer:  50 einfache Dinge, die Sie über Ihre Gesundheit wissen sollten; 2. Aufl., Piper 2008, ISBN-13: 978-3492262385; TB, 208 Seiten, 7,95 Euro

3 Responses to “„50 einfache Dinge, die Sie über Ihre Gesundheit wissen sollten“ – und am besten schnell wieder vergessen”

  1. simetra sagt:

    ist der bankhofer nicht sowieso umstritten? ich habe irgendwo gelesen, dass er medizinisch sehr fragwürdige thesen verbreitet, weshalb er ja auch nicht mehr im ard-morgenmagazin auftreten darf (die ihn jahrelang als „fernseh-doktor“ hatten)

    weiterhin viel erfolg!
    s.

  2. Anja sagt:

    Er ist rausgeflogen, weil er Schleichwerbung für Klosterfrau gemacht haben soll. Ob seine Thesen fragwürdig sind … na, meine Meinung ist wohl klar 🙂

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