„50 einfache Dinge, die Sie über Ernährung wissen sollten“ – und die ich fast alle schon kenne

Das zweite Buch, das ich mir vorgenommen habe, klingt wie das erste, bietet aber deutlich mehr: Cem Ekmekcioglu „50 einfache Dinge, die Sie über Ernährung wissen sollten“. Der Autor schreibt klar und verständlich und – das beeindruckt mich als Wissenschaftlerin besonders – legt die wissenschaftlichen Grundsätze offen, nach denen Ernährungsrichtlinien entwickelt werden.

Von Vollkorn und Leerkorn 

Er empfiehlt nicht einfach: „Esst Vollkornprodukte“, sondern erklärt warum und wie sich Vollkorn von „Leerkorn“ unterscheidet. Endlich weiß ich, was die Typenbezeichnung auf dem Mehl bedeutet. Schon deshalb hat es sich gelohnt, das Buch zu lesen. Ein Grundsatz, den ich umsetzen könnte, könnte also lauten: Mehr Vollkorn statt Weißmehl. Mal sehen.

Ich und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung

Herr Ekmekcioglu propagiert „5 am Tag“, also fünf Portionen Obst und Gemüse täglich zu essen. Aber er arbeitet ohnehin vor allen Dingen die Empfehlungen der DGE ab, unterfüttert sie mit wissenschaftlichen Studienergebnissen und erklärt das „Kleingedruckte“. Das ist ganz informativ, aber bahnbrechende Neuigkeiten hat er nicht zu vermelden.
An dieser Stelle frage ich mich, was ich gegen die Empfehlungen der DGE habe. Sie sind klar, einsichtig – jedenfalls wenn Herr Ekmekcioglu sie erläutert – vermutlich nicht allzu schwer umzusetzen; aber sie sind auch unspektakulär, klingen ein bisschen nach artigem Mädchen, dass seinen Teller brav leeressen soll. Wahrscheinlich ist es der in den 60er Jahren unbewusst in mein Hirn gesickerte Widerspruchsgeist und das instinktive Misstrauen gegen alles, das nach deutscher Behörde klingt – die kleinen Bazillen der Rebellion, die in der Zeit durch die Luft flirrten und mich infizierten. Aber meine Assoziationen zur DGE ähneln denen zum Sozial-, Finanz- und Arbeitsamt fatal. Vernünftig und bieder muten die Empfehlungen an. Und wer will schon vernünftig und bieder sein. Nicht mal, wenn’s ums Essen geht.

Der Fluch der Leberwurst 

So, nun habe ich mir, angeregt durch die vielen intelligenten Dinge, die Herr Ekmekcioglu schreibt – vor allen Dingen sein Kapitel über den Apfel hat mich schwer beeindruckt –, zum Frühstück einen Apfel, eine Banane mit Honig und Magerjoghurt gemacht, allerdings nicht statt zweier Leberwursttoastbrote, sondern zusätzlich. Ich fürchte, ich muss noch weiter an meinen Ernährungsgewohnheiten arbeiten (aber die Leberwurst – grobe Gutsleberwurst – ist einfach zu lecker, außerdem will ich sie ja nicht verkommen lassen 🙂 )

Mathematik für Dicke 

Nun komme ich zum interessanten Teil des Buches: „Über den Zusammenhang zwischen Hunger, Sättigung und Übergewicht.“ Der Autor vermerkt sehr clever, dass eine positive Energiebilanz der Hauptgrund für Übergewicht sei, sprich: es werden mehr Kalorien aufgenommen als verbraucht. Er möchte nun auf die Faktoren eingehen, die Übergewicht begünstigen. Er nennt „wenig Kauen und das Herunterschlingen des Essens, Fernsehen, Fast-Food-Lokale, opulente Abendmahlzeiten, Lebensmittel mit einem hohen glykämischen Index sowie die süße Verlockung Schokolade.“ Abschließend verspricht er „einfache Tipps, die das Abnehmen erleichtern“. Wir – ich und meine Pfunde – sind gespannt, was er uns zu sagen hat, und fragen uns, ob die Tipps den Alltagstauglichkeitstest bestehen werden.

Allgemeinplätze statt Plätzchen 🙁 

Leider bleiben die Tipps sehr allgemein und sind nicht neu. Der Autor empfiehlt, sich eine Einkaufsliste zu schreiben und nicht hungrig einkaufen zu gehen, länger zu kauen und statt bei Heißhunger über die Schokolade herzufallen, sich abzulenken mit Musik hören, Freunde anrufen u. Ä. Der Rest des Buches ist ganz informativ, aber doch alles sehr theoretisch. Na ja, der Titel heißt ja auch „50 einfache Dinge, die Sie über Ernährung wissen sollten“ und nicht „die Sie über Ernährung ausprobieren sollten“.

Cem Ekmekcioglu: 50 einfache Dinge, die Sie über Ernährung wissen sollten; Piper 2008, ISBN-13: 978-3492262392; TB, 208 Seiten, 7,95 Euro 

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