Badeanzug-Blues

Über die Feiertage bin ich in Aachen – meine Schwester nennt das scherzhaft „Mutterdienst“ (während sie den Bauch in die karibische Sonne hält). Die Gelegenheit, dachte ich, die Carolus-Thermen auszuprobieren. Da ich wie immer auf den letzten Drücker meine Sachen gepackt habe, habe ich den falschen Badeanzug erwischt (Größe 42 … seufz, da hab ich mal reingepasst). Also bin ich am Heiligen Vormittag auf die Pirsch nach einem Badeanzug gegangen. „Versuch’s mal im Kaufhof“, meinte meine witzige, Größe 42 tragende Mutter. Die Auswahl an Badeanzügen im Kaufhof war, trotz Winter, beträchtlich – bis Größe 44. Ab Größe 46 gab’s nur noch das Modell „recycelter Hartschalenkoffer“. Das sind die, die dort, wo eine Frau ihren Busen unterbringen will, Schaumstoffschalen haben, die nach vorne mehr oder minder spitz zulaufen und grundsätzlich nie da sind, wo mein Busen ist. Außerdem bestechen diese Modelle durch ausgesuchte Farben und Muster: Dunkelblau mit Türkis, entweder großflächig abstrakt oder großformatig floral. Und eigentlich nur tragbar, wenn man über 80 und erblindet ist. Einen gab’s in Pink-Rot. Ich sah aus wie ein überdimensioniertes Monsterbonbon (Monster wegen der beiden Hörner, wo eigentlich mein Busen sich zart runden sollte). Seltsamerweise sind diese Badeanzüge am Rücken genau so weit ausgeschnitten, dass die Speckrolle zwischen Taille und Schulterblättern sich schwungvoll über den Rand des Anzugs wölben kann. Wer will denn so was? Bei C&A gleiche Modelle, andere Farben: schwarz-großformatig-floral-gelb-glitzernd-gold und schwarz-leopard.

Immer tiefer in eine Winterspeck-Depression versinkend, machte ich mich auf den Weg zum Bus (und strich den Café-Besuch eingedenk meiner Vorräte, die ich unter dem Hemd mit mir rumschleppe). Die Peripherie meine Sichtfeldes wurde von einem Schriftzug gestreift, den ich sonst ignoriere, (weil ich die Klamotten ziemlich öde finde). Ich war schon fast dran vorbei, als mich ein Fünkchen Hoffnung anflog. Ich ging zurück und öffnete die Tür zu Ulla Popken. Ein oder zwei Badeanzüge hätten sie wohl da. Mein kleines – zugegeben nicht sehr originelles – Scherzchen, einer würde mir schon reichen, quittierte die Dame hinterm Verkaufstresen mit zusammengepressten Lippen – na ja, um halb zwei am Heiligen Abend stand ihr der Sinn vermutlich nicht mehr nach Geplänkel mit der Kundschaft. Aber immerhin machte sie sich auf die Suche nach dem Badeanzug. Und siehe da, sie wurde fündig. Passend zum Datum schickte ich ein kleines Dankesgebet gen Himmel. Schwarz, schlicht, ein kleiner neckischer Reißverschluss am Dekolleté, keine recycelten Kofferdeckel auf Brusthöhe – und er passt.

Nun kann ich doch noch in die Carolus-Thermen – vorausgesetzt ich treibe noch ein paar Badelatschen auf, die habe ich nämlich auch vergessen.

One Response to “Badeanzug-Blues”

  1. barbara sagt:

    Ich glaube, mache Dinge kauft man besser nicht in Schweinezyklen, im Sommer sieht man einfach immer besser aus (zumindest fühlt man sich dann besser;-)))…der Badeanzug sieht aber wirklich gut aus!

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